Segen ist mehr als Wohlergehen
Dem Gottesdienst lag das Bibelwort aus 5. Mose 28,2 zugrunde:
Und es werden über dich kommen alle diese Segnungen, und sie werden dich treffen, weil du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorsam gewesen bist.
Unter der Überschrift „Fülle des Segens“ machte Apostel Korbien deutlich, wie sich das Verständnis von Segen durch Jesus Christus erweitert hat. Segen bedeutet nicht zwangsläufig Gesundheit, Erfolg oder materielles Wohlergehen. Auch Opferbereitschaft führt nicht automatisch dazu, dass es einem im natürlichen Leben besser geht. Unser Leben bleibt in Gottes Hand.
In Christus zeigt sich Segen vielmehr in der Nähe und Gegenwart Gottes. Er begegnet den Gläubigen in der Predigt, in den Sakramenten und im trinitarischen Segen. Gleichzeitig reicht Gottes Zusage weit über die Gegenwart hinaus – bis hin zum Friedensreich Christi und zur neuen Schöpfung.
Eine Begebenheit aus einer früheren Missionsreise nach Sibirien machte den Gedanken anschaulich. Damals waren Apostel Helmut König, der damalige Bischof Bimberg und der noch junge Bezirksälteste Jens Korbien gemeinsam unterwegs. In einem Gottesdienst wollte Apostel König den Unterschied zwischen Segen und Fluch erklären. Die Übersetzerin kannte jedoch kein passendes russisches Wort für „Fluch“. Vielleicht, so der Apostel rückblickend, sei das manchmal gar nicht schlecht.
Denn viel entscheidender sei die Frage: Sind wir selbst ein Segen für unseren Nächsten? Christsein dürfe sich nicht nur im äußeren Schein zeigen. Manchmal wahre man die Form und sei innerlich froh, wenn der andere den Raum wieder verlasse. Dann sei man gerade kein Segen für den Nächsten. Christen, die die Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben, seien aufgerufen, authentisch zum Segen für andere zu werden.
Dazu gehört auch, diejenigen anzunehmen, die für einen Dienst in der Kirche gesegnet und beauftragt werden. Nicht nur das herauszugreifen, was den eigenen Vorstellungen entspricht, sondern darauf zu vertrauen, dass Gott Menschen mit unterschiedlichen Gaben in seinen Dienst stellt.
Bischof Thomas Cramer, zugleich Bezirksvorsteher des Kirchenbezirks Leipzig und der Gemeinde Taucha seit vielen Jahren vertraut, diente erstmals nach seiner Beauftragung als Bischof in Taucha mit. Er erinnerte an die Worte aus Epheser 1,3 und daran, wie vielfältig Gottes Segen im gemeinsamen Glaubensleben erfahrbar wird. Dabei nahm er auch Bezug auf Angelika und Klaus Gerisch und die vielen Jahre, in denen beide mit ihren Gaben für andere zum Segen geworden sind.
Die kleine Aurelia empfängt die Gabe des Heiligen Geistes
Sichtbar und ganz persönlich wurde der Gedanke des Segens bei der Heiligen Versiegelung der kleinen Aurelia aus der Gemeinde Leipzig-Plagwitz. Auf dem Arm ihrer Mutti und im Beisein ihres kleinen "großen" Bruders sowie des Papas empfing das Kind durch Handauflegung und Gebet des Apostels die Gabe des Heiligen Geistes.
Apostel Korbien erinnerte daran, dass auch diese Gabe ein Segen Gottes ist. Mit am Altar saß auch der Großvater von Aurelia, Vorsteher der Gemeinde Weißenfels. Seine Freude über diesen Augenblick war deutlich zu spüren.
50 Jahre gemeinsam unter Gottes Segen
Schließlich traten Angelika und Klaus Gerisch vor den Altar. Nach 50 gemeinsamen Ehejahren stellten sie sich erneut unter den Segen Gottes. Das Jubelpaar hatte darum gebeten, nicht zu sehr im Mittelpunkt zu stehen. Apostel Korbien machte jedoch deutlich, dass man Dank manchmal auch annehmen müsse.
Mit einem Augenzwinkern erzählte er zu Beginn der Segenshandlung, dass er für diesen Moment ein Bibelwort ausgewählt habe, das Bischof Cramer – ohne davon zu wissen – bereits in seinem Dienen erwähnt hatte: Epheser 1,3.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.
Daran sehe man, so der Apostel schmunzelnd, wie eng beide zusammenarbeiteten.
Im Anschluss überreichte der Gemeindevorsteher einen Blumenstrauß und brachte stellvertretend für die Gemeinde – auch für diejenigen, die an diesem Tag nicht dabei sein konnten – den Dank zum Ausdruck.
Klaus Gerisch hat über viele Jahre im kirchlichen Auftrag gedient, zuletzt als Bezirksevangelist. Viele Gemeindemitglieder verbinden mit ihm persönliche seelsorgerische Begegnungen und Worte, die ihnen in schwierigen Lebenssituationen Kraft gegeben haben.
Ein ebenso großer Dank galt Angelika Gerisch. Wer selbst eine leitende Aufgabe in der Kirche wahrnimmt, weiß, wie viel Partnerinnen und Partner mittragen müssen – an Zeit, Verantwortung, Abwesenheiten und manchem, was im Hintergrund bleibt. Das ist keineswegs selbstverständlich.
Dabei wurde ausdrücklich betont: Angelika ist nicht einfach das Anhängsel von Klaus, sondern eine eigene Glaubenspersönlichkeit. Mit den Worten „Danke, dass ihr in unserer Gemeinde seid“ schloss der Gemeindevorsteher seine Würdigung.
Segen, der weitergegeben wird
Die musikalische Gestaltung unterstrich die Freude des Tages. Eine besonders persönliche Note erhielt sie, als auch ein Sohn des Jubelpaares mit der Querflöte musizierte – sehr zur Freude von Angelika und Klaus.
So führte der Gottesdienst am Ende wieder zu seinem Ausgangsgedanken zurück: Gottes Segen empfangen wir nicht nur für uns selbst. Gesegnete sind eingeladen, selbst zum Segen zu werden – für den Nächsten, für die Gemeinde und für die Menschen, denen sie begegnen.
Neuapostolische Kirche