Ämtergottesdienst in Freude und Wehmut

Am Sonntag, 26. Oktober 2014, hielt Apostel Rolf Wosnitzka für die Bezirke Erfurt und Halle (Saale) im Gemeindezentrum Halle den Auftakt-Ämtergottesdienst des Jahres 2014 in seinem Arbeitsbereich.

Dieses Zusammensein hatte eine besondere Atmosphäre. Es war seit einigen Tagen bekannt, dass es in beiden Kirchenbezirken Veränderungen geben wird. Für die Geschwister im Bereich Halle sogar einen „Abschied“ von ihrem bisherigen Apostel. Doch Trauer ließ Apostel Wosnitzka gar nicht erst aufkommen.

Als Erstes dankte er allen für ihr Dasein und ihre geleistete Arbeit in der zurückliegenden Zeit. Dieser Dank war auch an diejenigen gerichtet, die nicht hatten kommen können.

Als Zweites dankte er den Sängern, die einer kurzfristigen Einladung bereitwillig gefolgt waren und den Gottesdienst ausdrucksvoll umrahmten.

Als Drittes – und da war bei ihm doch ein wenig Wehmut zu spüren – dankte er für die liebevolle Aufnahme, die er in den neunziger Jahren als junger Bischof im Kirchenbezirk Halle gefunden hatte. Er lenkte auch die Gedanken auf seinen damaligen Vorgänger, Bischof Karl Wipke, der wie er selbst aus der Gemeinde Erfurt kommend, hier im Raum Halle eine segensreiche Arbeit geleistet und vor allem bleibende Spuren der Liebe hinterlassen hat.

Als Bibelwort legte der Apostel seinem Dienen Markus 9, 33-35 zugrunde:

„Und sie kamen nach Kapernaum. Und als er daheim war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Weg verhandelt? Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander verhandelt, wer der Größte sei. Und er setzte sich und rief die Zwölf und sprach zu ihnen: Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.“

Die Jünger waren immer beim Herrn und folgten ihm in Eifer und Treue. Trotzdem hatten sie ihn noch nicht richtig verstanden, als sie darüber stritten, wer der Größte unter ihnen sei. Dabei hatte der Herr ihnen schon seine Leidenszeit angekündigt. Doch das war an ihnen „vorbeigerauscht“.

Wir sind auch Nachfolger und Diener Jesu. Haben wir ihn immer richtig verstanden? Sind wir uns seiner Gegenwart immer bewusst? Könnten wir ihn jedes Mal in unsere Gespräche mit einbeziehen? Worüber unterhalten wir uns, wie sprechen wir:

  • von unserem Nächsten – Klagen wir ihn an oder verteidigen wir ihn?
  • über die Kirche – Ist sie unser Glaubens- und Lebensinhalt oder nur eine Institution mit Mängeln?
  • über unsere Leistungen in der Kirche, wie „schwer“ die Aufgabe als Amtsträger ist? Spielen wir unseren Einfluss aus und stellen uns in den Mittelpunkt?

Jesus Christus stellte sich aus Liebe in den Dienst der Menschen und musste auch bis an die Grenze seiner körperlichen Kräfte gehen. Aber Gott, sein Vater, ließ ihn nicht daran zerbrechen. Auf dem Weg nach Golgatha schickte er Simon von Kyrene zur Hilfe, das Kreuz zu tragen.

So wollen auch wir

  • das Evangelium mit unserem Leben und in unserem Leben bezeugen,
  • handeln, wie es Apostel Paulus riet: „Einer trage des andern Last“ (Galater 6, aus 2)
  • versuchen, in unserem Umfeld zum Frieden und zur gegenseitigen Erbauung beizutragen (vgl. Römer 14, 19)

Was für alle Geschwister gilt, steht natürlich vorrangig auch für den Amtsbruder. Für ihn soll sein Auftrag im Vordergrund stehen und nicht sein Ansehen. Er ist ein Diener mit einem besonderen Auftrag:

  • die anvertrauten Geschwister zu stärken und nicht einzuschüchtern,
  • sie mit seinem Vorbild zu gewinnen und nicht vor den Kopf zu stoßen,
  • ein Gehilfe zu ihrer Freude zu sein und nicht Herr über ihren Glauben (vgl. 2. Korinther 1, 24)

Im Mitdienen ging Bischof Ralph Wittich unter anderem auf den Begriff „Kyrios=Herr“ ein, der im Sprachgebrauch des Neuen Testaments sowohl für Gott als auch für Jesus Christus verwendet wird. Er ist unser Herr (und Haupt), wir seine Diener.

Aus eigenem Erleben legte er den Anwesenden die Bedeutung des Gebetes ans Herz, vor allem in seiner Auswirkung auf die Erlangung von innerer Ruhe, Frieden und auch Stärkung.

Der Bischof brachte seine Zuversicht zum Ausdruck, dass die Kirche Christi in der Gesamtheit aller Christen nicht untergehen wird, trotz mancher Zeiterscheinungen.

In der abschließenden Verabschiedungsreihe standen auch die Bezirksältesten Wolfgang Schnur (Erfurt) und Günter Meistring (Halle), deren kurzfristiger und mittelfristiger Ruhestand ja auch schon bekannt ist.

Autor: B.Z./Fotos: F.N.