Aktionismus oder nachhaltige Aktion?

Wenn zwei Vereine das Gleiche wollen – nämlich helfen, müssen sie dann auch Dasselbe tun? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 29. Juni 2012 Teilnehmer einer Gesprächsrunde in Halle (Saale).

Hilfe zu leisten, Freude zu bereiten ist wohl etwas, das uns alle antreibt. Da ist der hilfsbedürftige Nächste in unserem alltäglichen Umfeld, die Schwester oder der Bruder in der Gemeinde, aber auch das Leid in den täglichen Nachrichten, das uns berührt und animiert zu helfen. Die Möglichkeiten und Ansätze dafür sind verschieden. Die Neuapostolische Kirche bietet im Rahmen von „NAK-karitativ e.V.“ an, sich mit finanziellen Mitteln einzubringen. Daneben gibt es unzählige Einrichtungen und Organisationen, die für unterschiedlichste Projekte Hilfe einwerben und eine Plattform bieten, um Kraft, Zeit und Mittel zu schenken.

Gutes tun - aber wie?

Als Christen sind wir bemüht, Gutes zu tun. Und jedem steht die Möglichkeit offen, das auf seine Weise umzusetzen. Für den einen ist es eine Überweisung mit dem Wissen, eine gute Sache zu unterstützen. Ein anderer braucht ein aktiveres Betätigungsfeld.

Viele Mitglieder unserer Gemeinden sahen in der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ (WiS) von „Geschenke der Hoffnung e.V.“ die Gelegenheit, tätig zu werden. Zudem war es eine Möglichkeit, Gemeinschaft zu pflegen und dabei Kindern praxisnah zu vermitteln, wie „Hilfe geht“.

Die in unseren Gemeinden vielfach praktizierte Aktion des Päckchen Sammelns und Packens hat jedoch auch hier und da Fragen aufkommen lassen. Ist das im Sinne der Neuapostolischen Kirche? Das initiative Tätigwerden von Kirchenmitgliedern ist nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Von offizieller Seite wurde das Argument der Nachhaltigkeit bemüht und diese bei WiS angezweifelt.

Gut ist nur das, was wir tun!?

Was können Kuscheltier und Marzipan schon bewirken? Letzteres Argument gipfelte in einem Artikel von NAK-karitativ, der nicht zuletzt dazu beitrug, dass die Aktivitäten im Rahmen der Aktion WiS kritisch betrachtet, ja letztendlich in manchen Gemeinden sanft unterbunden wurden. Aber was ist denn eigentlich „im Sinne der Kirche“? Warum ist es manchem Verantwortlichen unangenehm, wenn eine Gemeinde „unaufgefordert“ aktiv wird? Woran machen wir letztendlich Nachhaltigkeit fest? Ist nur gut, was den Stempel der Neuapostolischen Kirche trägt? Ja und was bewirken Kuscheltiere …?

Der erwähnte Artikel drängte zu einem gemeinsamen Gespräch. Warum ist es - scheinbar – nicht möglich, das Gute, das der andere tut, als solches zu betrachten und warum fangen wir sofort an zu werten ohne wertzuschätzen?

Aufeinander zugehen – falsches Verständnis berichtigen

Gegenüber der offen ausgesprochenen Kritik wurde seitens NAK-karitativ Gesprächsbereitschaft signalisiert. Dazu luden Mitglieder der Gemeinde Halle den Geschäftsführer von „Geschenke der Hoffnung e.V.“, Bernd Gülker und Bezirksevangelist Jörg Leske, den Geschäftsführer von „NAK-karitativ e.V.“, zu einem gemeinsamen Gespräch ein.

Im Rahmen der Gesprächsrunde in Halle erfolgte eine kurze Vorstellung von „NAK-karitativ e.V.“ seitens Bruder Leske. Dem folgte ein Impulsvortrag durch Christina Bartels, der Fragen, aber auch Unverständnis und Enttäuschung widerspiegelte. Wir erinnern uns an den Artikel und seine Auswirkungen.

Was ist nachhaltig?

Was erzeugt Nachhaltigkeit? Im Gespräch wurde für jeden deutlich, das WiS von Geschenke der Hoffnung und NAK-karitativ mit unterschiedlichen Ansätzen Hilfe leisten. NAK-karitativ unterwirft sich bewusst den „Zwölf Grundregeln der Humanitären Hilfe im Ausland“ und damit bestimmten Restriktionen, um im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit Hilfe leisten zu können. Hilfe, die in ihren Auswirkungen nachhaltig ist. Das Evangelium oder gar unsere Kirche zu „transportieren“, ist und könne hier nicht das erste Anliegen sein, brachte Bezirksevangelist Leske sinngemäß zum Ausdruck.

Demgegenüber setzt WiS einen anderen Schwerpunkt. Wer erinnert sich nicht daran, wie es war, wenn er unverhofft ein Geschenk erhielt oder gar etwas, was er nicht erwartet hatte. Um wie viel mehr mag diese Überraschung bei Kindern größer sein, die - nicht wie wir früher in der DDR - auf ein Westpaket hoffen, auf richtige Schokolade oder ein Spielzeugauto, sondern für die ein Geschenk auf Grund ihrer Lebensumstände auch ein Zeichen von Wertschätzung ist, ja Ausdruck dessen: man denkt an mich, man liebt mich! So umschrieb Bernd Gülker die vielfach erlebten Reaktionen und Erinnerungen – auch Jahre später - beschenkter Kinder. Unterschiedliche Ansätze, materiell nicht immer messbar und dennoch nachhaltig!

Oftmals ist dieses Erlebnis – geschätzt zu werden – Initialzündung im späteren Leben! Wichtig ist dabei, dass die Aktion nicht inflationär erfolgt. Die Geschenkaktion soll eine prägende Erinnerung bei den Kindern hinterlassen und – wo möglich und zulässig – den Ursprung des Weihnachtsfestes erklären und ein Gefühl für die christliche Nächstenliebe vermitteln. Eine Saat, die oftmals viel später aufgeht – eben nachhaltig ist!

Nicht zuletzt ist die Tätigkeit in der Gemeinde selbst nachhaltig. Mancher Gedanke wurde im Gespräch bewegt: Christen kommen zusammen, man berichtet davon im Umfeld, findet Mitstreiter auch außerhalb der Gemeinde, kommt somit ins Gespräch. Kinder helfen mit, auch die Jugend und Senioren, man hat Kontakt, kann sich – wie sonst vielleicht kaum – aktiv einbringen. Kinder bekommen zur Nächstenliebe einen anderen Blick. Sie lernen in Ansätzen, wie Hilfe praktisch funktioniert und was ihre Mitarbeit bewirkt. Nachhaltig genug?

Missverständnis mit Folgen! Aber welchen?

In dem intensiven, jedoch auch in kontroversen Abschnitten wertschätzend geführten Gespräch, wurde deutlich, dass man ja doch sehr nah beieinander ist – wenn auch auf verschiedenen Wegen.

Deutlich wurde auch, dass der Artikel von NAK-karitativ und manches auf dessen Basis geführte Gespräch in seiner pointierten Schärfe zu einer falschen Beurteilung, ja Abwertung anderer Aktionen – in diesem Fall von „Weihnachten im Schuhkarton“ – geführt hat. Bezirksevangelist Leske bedauerte dies. Aber wie geht man damit nun um? Wie revidiert man die Auffassung, dass Aktionen wie WiS – durch aktive Geschwister mit dem Willen, ihr Christsein zu leben in die Gemeinden eingebracht – keine „feindliche Übernahme“ sind oder vielleicht NAK-karitativ finanzielle Mittel abgraben, oder – weil keine eigene Idee der Kirche – abzulehnen sind?

Auch Bezirksevangelist Leske sucht hier nach einer angemessenen Möglichkeit des Reagierens – wahrnehmbar für Kritiker und Befürworter von WiS. Wir sind gespannt!

Eine für alle sofort wahrnehmbare Folge: Wo etwas unklar ist, MUSS man miteinander reden! Und nur das bringt uns weiter!

Resümee

Zumindest die beiden Referenten Bernd Gülker und Jörg Leske sowie der Moderator, Priester Andreas Martz aus der Gemeinde Gera; die Initiatoren, die an diesem Abend beteiligten Mütter, Großeltern, Interessierte, Mitarbeiter von WIS – auch aus anderen christlichen Gemeinschaften – konnten erleben: da wo man arbeitet, macht man Fehler, aus denen man lernen kann.

Bei aller differenzierten Betrachtung an diesem Abend war es nicht das Anliegen gegeneinander, sondern für die gute Sache zu argumentieren, nämlich Hilfe für den Nächsten an Leib, Seele und Geist. So bleibt zu hoffen, dass auch dieser Abend eine gewisse Nachhaltigkeit für das Miteinander entwickelt.

 

In Verbindung stehende Artikel:
(www.nak-karitativ.de)
09.07.2012: „Diskussionsrunde in Halle“
09.11.2011: „Marzipan und Kuscheltier oder Ausbildung und Nachhaltigkeit“


(http://halle-saale.nak-nordost.de)
06.11.2011: „Benefizkonzert für „Weihnachten im Schuhkarton“
26.11.2010: „Weihnachten im Schuhkarton – Gemeinde aktiv“