Hilfsaktionen in Kriegszeiten

Brief des Gemeindeleiters im Gemeindebrief für Monat April 2022

Liebe Schwestern und Brüder,

wie der Stand sein wird, wenn ihr den Gemeindebrief in der Hand haltet, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, seit dem 24. Februar herrscht Krieg in Europa. Was für uns vor Monaten noch unvorstellbar war, ist Wirklichkeit. Und selbst jetzt scheint dies alles sehr unwirklich, obwohl uns die Medien täglich die Situation ins Haus bringen. Alles weit weg? Je länger das Leid begleitet, umso mehr läuft man Gefahr abzustumpfen. Man nimmt wahr und wenn es einem zu viel wird, kann man die Zeitung weglegen, den Fernseher ausmachen. Aber sich dem allen zu entziehen ist wohl kaum möglich und würde auch von großer Ignoranz zeugen!  Informationen sind gut und wichtig - alles in Maßen. Nicht alles muss man konsumieren ...

Es gibt in unserem Land eine breite Bewegung der Hilfsbereitschaft. Auch unsere Gemeinde hat ihre Türen geöffnet, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen. Unsere Gebietskirche versucht durch finanzielle Unterstützung einen Beitrag zu leisten. NAK-karitativ bringt sich ein usw. Kleine Beispiele aus dem begrenzten Umfeld unserer Kirche, neben den vielen Hilfsaktionen. Es sollte unser Selbstverständnis als Christen sein, als Auswirkung der Nächstenliebe Mögliches zu tun.

"Sammelstelle Ukraine-Hilfe, Di und Do 16-20 Uhr" steht auf dem selbstgemachten Schild, das als Hinweis auf die Aktion an unserem Einfahrtstor hing. Einige Sprinter (kleine Lkws) konnten seitdem mit Hilfsmitteln bestückt werden. Uns bisher unbekannte Menschen kontaktierten unsere Gemeinde, um Hilfe anzubieten, mitzumachen. Ein breites Netzwerk - weit über die Gemeinde hinaus - wurde geflochten. Die Beteiligten versuchen, mit ihrer Kraft etwas beizutragen, dass Kriegsopfer Zuwendung und Unterstützung erfahren. Wie lange wir die Aktion als Gemeinde aufrechterhalten, wissen wir nicht. Sie hat sich aber schon ausgeweitet, indem das Sammeln der Sachspenden, Hygieneartikel, usw. zum direkten Weiterleiten an Flüchtlinge koordiniert wird. 

Während ich das hier schreibe, fällt mein Blick auf einen Artikel eines Betroffenen aus dem Ahrtal: "Vergesst uns nicht!" Ach ja, da war doch was. Wie schnell verlieren wir die Ereignisse, die uns gestern noch betroffen machten aus dem Blick ... bei uns und weltweit. Es braucht breite Schultern des Tragens in einer Gesellschaft! Es braucht ein Miteinander. Dazu können wir alle! beitragen.

Den meisten von uns ist die Erfahrung, alles Materielle zu verlieren, den Tod durch Krieg oder Naturkatastrophen im nahen Umfeld zu erleben, erspart geblieben. Nicht allen ist dies vergönnt - auch nicht in unserer Gesellschaft, im Heute.

Achten wir darauf, dass die Not Betroffener und für uns spürbare Auswirkungen des Krieges nicht zum "Baumaterial" von Vorwürfen wird. Fragen wir nach der Motivation dahinter! Vorwürfe haben nur das Eigene im Blick. Sie wirken zerstörend. 

Man merkt vielleicht beim Lesen, dass auch meine Gedanken zwischen den Blickwinkeln und Aspekten pendeln. Ich stehe nicht über den Dingen. Es ist auch nicht Teil meiner geistlichen Aufgabe "von oben herab" eine Richtung vorzugeben. Was ich gern möchte, ist, den Blick auf das zu lenken, was wir tun können - als Christen, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten!

Woran denke ich?

Es ist z.B. das Gebet, indem ich alle meine Belange, meine Fürbitte IHM anvertrauen kann.

Es ist mein Gottvertrauen, das wir doch in guten Zeiten problemlos als Lösung parat haben. 

Es sind die Möglichkeiten des aktiven Handelns! Ob Spende, Hilfsaktion, Begleitung, das liebe Wort ... Es gibt viele Möglichkeiten

Wir stehen dabei nicht auf der großen Weltbühne, von allen gesehen und wahrgenommen, und gefühlt manchmal umsonst. Aber: "Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25, aus Vers 40) Diese Worte Jesu bezogen sich auf das Leben in seiner Bedürftigkeit: Hunger, Durst, Gefangenschaft, Krankheit, Mittellosigkeit, Entfremdung. Nichts hat ER ausgespart. Jeder kann die Beispiele ins Heute übersetzen.

In Verbundenheit grüßt euch

euer

Uwe Bartels