Grußwort zum 125-jähriges Jubiläum der Gemeinde Halle (Saale)

Der Vorsteher der Gemeinde Halle (Saale), Evangelist Uwe Bartels, wandte sich mit einem Grußwort in der Festschrift zum Jubiläum an die Gemeinde.

Liebe Schwestern und Brüder,

vor euch liegt die Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum des Bestehens unserer Gemeinde. Am 23. Oktober 1896, so sagen es zumindest die uns bekannten Quellen, wurden die ersten Versiegelungen vorgenommen und damit eine neue Gemeinde ins Leben gerufen.

125 Jahre: betrachtet man das Erdzeitalter von ca. 4,5 Mrd. Jahren und setzt es einem Tag gleich, dann sind 125 Jahre ca. 0,0024 Sekunden. Setzt man das wiederum in ein Verhältnis zur Lichtgeschwindigkeit, dann haben wir gerade einmal 720 m zurückgelegt. Sehr überschaubar – alles in Sichtweite. Der Vergleich macht wohl deutlich, dass 125 Jahre gemessen an uns bekannten und dennoch nicht greifbaren Zeiträumen und zum Gegenüber der Ewigkeit, sagen wir einmal: sehr, sehr wenig sind. Und dennoch: es ist eine Zeit voller Geschichte, Ereignisse, Veränderungen und es ist zum großen Teil unsere Zeit! Wir haben Geschwister, die über 90 Jahre leben. Wir haben Geschwister die seit über 70 Jahren Gemeindemitglied sind. Aber genug der Vergleiche. Wenn man wie bei einem Jubiläum den Blick zurück richtet, dann wohl auch aus der Wahrnehmung der Gegenwart, des Beteiligtseins. Und vielleicht kommt die Frage auf:

Woher kommen wir?

Eine Frage, die verschiedene Ebenen berühren kann. Die Wissenschaft, die Weltgeschichte, die der eigenen Familie und eben auch die der Gemeinde. Das „Fundament“ auf dem unsere Gemeinde steht, haben andere errichtet. Da gab es keinen Blick auf eine zahlenmäßig starke Gemeinde. Da war nur der Wille, Evangelium weiterzugeben, Gott in seiner Dreieinigkeit zu bezeugen. Eine Mission, die mit viel Engagement, Überzeugung, Gottvertrauen und persönlichem Einsatz über Generationen hinweg angenommen wurde. Tradition, Geschichte sind Wurzeln, die Halt geben können. Umso mehr, wenn man die Wurzeln nährt, die im Boden des Evangeliums verankert sind. Es lohnt sich, seiner Wurzeln bewusst zu sein. Sicher, für viele ist unsere Gemeinde zu späterer Zeit ein „geistliches zu Hause“ geworden, Haltepunkt im Leben, Zwischenstation, Bestandteil der persönlichen Entwicklung. Und dann kann es sein, dass man sich die Frage stellt:

Wer sind wir?

Einfach gesagt: Gottes Kinder, so unterschiedlich wie an Zahl in der Gemeinde vorhanden und doch eine Gemeinde! Es gibt Familien, die über fünf Generationen vertreten sind. Andere sind die „Ersten“ auf dem Glaubensweg. Aber das ist nicht entscheidend, sondern dass man sich seiner eigenen Geschichte, seiner Entwicklung im Glauben bewusst ist oder werden kann! Wir sind Schwester und Bruder vor Gott, alle in gleicher Weise von IHM geliebt.

DU wirst von IHM geliebt. Nicht weniger zeichnet unsere Kindschaft vor Gott aus! Gehört man einer Gemeinschaft an, ist man hin und wieder versucht zu vergleichen und zu fragen:

Was haben wir?

Hier soll gleich der Blick auf das WIR gelenkt werden. Wir haben einen Ort, wo wir Gott erleben können – im Gottesdienst, in der Gemeinschaft, bei vielen Gelegenheiten. Wir sind Glaubensgeschwister, die – so unterschiedlich wir auch sind – das Bedürfnis haben Gott zu erleben. Wir haben Gaben in der Gemeinde die sich einbringen und dazu beitragen, dass die Gemeinde „lebt“. Sind wir dafür dankbar!? Und dann soll auch das ICH im Zentrum stehen dürfen. DU hast Schwester und Bruder. DU kannst Gottesdienst erleben. DU kannst IHN anbeten, loben und mit deinem Leben preisen! Dass führt uns auf einen Weg und lässt uns auf ihm bleiben, der gleichzeitig Antwort sein kann auf die Frage:

Wo gehen wir hin?

Nun, heute soll die Gemeinde im Blickfeld stehen. Mancher Weg scheint beschwerlich – vielleicht auch gerade in dieser Zeit. Blicken wir in diese Festschrift, werden wir das Positive – sachlich aufgeführt – wahrnehmen können. Und es war sicherlich nicht zu allen Zeiten und für jeden ein „Spaziergang“. Weiterzugehen hat das Ziel näher kommen lassen. Lasst uns gemeinsam weitergehen auf dem Weg, den Gott gelegt hat. Lasst uns gemeinsam Gemeinde weiterbauen. Und hier soll nicht das Streben nach Quantität im Zentrum stehen, sondern, dass nachfolgende Generationen ein Fundament vorfinden, auf dem sie bauen können – gegründet auf dem Evangelium. Und wo wir Fragen haben, Unsicherheiten spüren, kann uns die Heilige Schrift Orientierung geben:   

„Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Johannes 14, Vers 26

Ich wünsche uns, dass diese Festschrift informiert, erinnert, da und dort vielleicht einen „Aha“-Effekt erzeugt und der geistliche Blick, im Heute auf die Vergangenheit gerichtet, auf das Morgen orientiert ist.

In herzlicher Verbundenheit Euer

                                     Uwe Bartels